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Werkstoffnummer

Die Werkstoffnummer bezeichnet einen technischen Werkstoff eindeutig und ersetzt damit uneinheitliche Handels- und Markennamen. Sie besteht aus einer Hauptgruppenziffer, einem Punkt und vier weiteren Ziffern, zum Beispiel 1.4404 oder 2.4819. Für Stähle ist das Nummernsystem in der EN 10027-2 geregelt; die Nummern werden vom Stahlinstitut VDEh vergeben. Die Nummern der Nichteisenmetalle folgen dem System nach DIN 17007. Ergänzend gibt es den Werkstoffkurznamen nach EN 10027-1, der die Zusammensetzung abbildet – etwa X2CrNiMo17-12-2 für 1.4404. Im Zusammenhang mit der Probenahme von Schüttgut ist die Werkstoffnummer die verbindliche Angabe für alle medienberührten Bauteile, weil Bezeichnungen wie „Edelstahl“, „316L“ oder „Hastelloy“ mehrdeutig bleiben.

Aufbau und Bedeutung der Ziffern

Die erste Ziffer bezeichnet die Werkstoffhauptgruppe, die beiden folgenden Ziffern die Werkstoff- beziehungsweise Stahlgruppe, die letzten zwei die Zählnummer innerhalb dieser Gruppe:

  • 1.xxxx – Stähle. Die Gruppe 1.4xxx umfasst die nichtrostenden Stähle.
  • 2.xxxx – Schwermetalle außer Eisen. Die Gruppe 2.4xxx umfasst die Nickel- und Cobaltlegierungen.
  • 3.xxxx – Leichtmetalle.

Für die Probenahme sind vor allem diese Werkstoffe relevant:

  • 1.4301 (X5CrNi18-10, AISI 304) – der austenitische Standardedelstahl für unkritische Anwendungen.
  • 1.4404 (X2CrNiMo17-12-2, AISI 316L) – molybdänlegiert mit niedrigem Kohlenstoffgehalt, verbreiteter Standard für medienberührte Bauteile.
  • 1.4571 (X6CrNiMoTi17-12-2, AISI 316Ti) – mit Titan stabilisiert, nichtrostender Stahl mit Sonderzusatz.
  • 2.4819 (UNS N10276) – die Nickelbasislegierung Hastelloy C-276, für aggressive Medien.
  • 2.4602 (UNS N06022) – Hastelloy C-22, mit höherem Chromgehalt für oxidierende Medien.

Wichtig für die Spezifikation: Die Werkstoffnummer bezeichnet die Legierung, nicht den Zustand des Bauteils. Oberflächenbeschaffenheit, Wärmebehandlung und Halbzeugform sind darin nicht enthalten und müssen zusätzlich vereinbart werden.

Einsatz in der Probenahme von Schüttgütern

In Angebot, Bestellung, Zeichnung und Prüfbescheinigung sollte durchgehend die Werkstoffnummer verwendet werden – nicht der Handelsname. Nur so ist eindeutig, welche Legierung geliefert wird, und nur so lässt sich die Angabe gegen das Werkstoffzeugnis nach EN 10204 prüfen. Damit ist die Werkstoffnummer das Bindeglied zwischen Konstruktion und Nachweis. Sie betrifft alle Bauteile mit Materialkontakt: Sonden, Schnecken, Kolben, Stutzen, Probenkammern, Ventilkomponenten sowie Zubehör wie Flaschenadapter, Tütenhalter und Transportrohre.

Die Auswahl selbst folgt dem Prozess: 1.4404 und 1.4571 decken den weit überwiegenden Teil der Anwendungen ab. Bei chlorid- oder säurehaltigen Medien, hohen Temperaturen oder aggressiven Reinigungsverfahren wird auf Nickelbasislegierungen wie 2.4819 oder 2.4602 gewechselt. Maßgeblich sind die Materialparameter und Inhaltsstoffe des zu beprobenden Schüttguts.

In welchen Industrien

Die Werkstoffnummer ist branchenübergreifend die übliche Bezeichnung. Ihre Nachweisrelevanz steigt jedoch deutlich in der Pharmazie und Feinchemie, in der Chemie sowie in der Lebensmittel -Industrie, wo die Zuordnung von Werkstoff und Charge dokumentiert werden muss. In Metall + Kunststoff sowie Bergbau + Steinbruch steht dagegen meist die Verschleißfestigkeit im Vordergrund.

Gesetzliche Vorgaben und Richtlinien

Maßgeblich sind die Bezeichnungssysteme EN 10027-1 für die Kurznamen und EN 10027-2 für das Nummernsystem der Stähle, ergänzt durch die DIN EN 10020 zur Einteilung der Stahlsorten und das System nach DIN 17007 für Nichteisenmetalle. Für nichtrostende Stähle gilt die Normenreihe EN 10088. Ergänzend werden Werkstoffkennblätter herangezogen, etwa das VdTÜV-Werkstoffblatt 479 für 2.4602. Der Nachweis des tatsächlich gelieferten Werkstoffs erfolgt über die EN 10204. Im Geltungsbereich von Druckgeräten ist die Druckgeräterichtlinie 2014/68/EU einschlägig, in ATEX -relevanten Umgebungen die ATEX-Vorgaben. Welche Normen und Richtlinien gelten, variiert je nach Industrie, Land und Art des Schüttguts.

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