Wenn der Füllstand stimmt, aber die Masse nicht – Teil 2: Wie die gravimetrische Messung funktioniert
Im ersten Teil wurde deutlich: Ein richtiger Füllstand bedeutet noch nicht automatisch, dass auch die richtige Menge im Silo vorhanden ist. Gerade bei Schüttgütern kann der Pegel auf den ersten Blick stimmen, während die tatsächliche Masse im Behälter davon abweicht. Für viele Anwendungen ist deshalb nicht der sichtbare Füllstand entscheidend, sondern die reale Masse.
Die gravimetrische Messung setzt genau dort an. Sie erfasst nicht den Inhalt direkt, sondern die Last, die auf die Silokonstruktion wirkt. Verändert sich der Füllstand, verändert sich auch die Belastung der tragenden Struktur. Diese Veränderung wird über die Sensorik aufgenommen und in ein Gewichtssignal umgewandelt.
Das macht das Verfahren besonders interessant für bestehende Silos oder Silos mit falsch ausgelegter Sensorik. Die Sensoren werden an der vorhandenen Stützkonstruktion angebracht und nutzen die mechanischen Kräfte, die ohnehin auf das Silo wirken, als Messgrundlage. Ein aufwendiger Umbau des Behälters ist dafür nicht erforderlich.
Besonders anschaulich lässt sich das am Beispiel der Asphalt-LKW-Verladung erklären. Hier kommt es nicht nur darauf an, dass ausreichend Material im Silo vorhanden ist, sondern dass die richtige Menge schnell und zuverlässig bereitsteht. Wird zu wenig geladen, entstehen Zusatzfahrten und Zeitverlust. Wird zu viel geladen, drohen Überladung, unnötiger Aufwand und Sicherheitsrisiken im Verladebereich.
Genau hier spielt die gravimetrische Messung ihre Stärke aus. Die Beladung orientiert sich nicht am äußeren Eindruck oder an einem geschätzten Füllstand, sondern an der tatsächlich vorhandenen Masse im Silo. Dadurch wird die Verladung reproduzierbarer und der Ablauf insgesamt sicherer.
In der Praxis lässt sich die MicroCell-Steuerung mit vorhandenen Dosier- und Steuerungslösungen kombinieren. So kann die Verladung automatisiert oder auch manuell unterstützt werden, ohne dass der Fahrer mehrfach nachwiegen muss. Das spart Zeit, reduziert Fehler und erhöht die Prozesssicherheit im täglichen Betrieb.
Warum das überzeugt
Gerade bei Schüttgütern sind Füllstand und Masse nicht identisch. Oberfläche, Materialverhalten und Verteilung im Silo können dazu führen, dass der sichtbare Pegel zwar passt, die tatsächliche Menge aber nicht stimmt. Die gravimetrische Messung liefert hier die verlässlichere Größe, weil sie auf dem Gewicht des Systems basiert.
Für Betreiber bedeutet das mehr Transparenz, eine bessere Planbarkeit und eine zuverlässigere Grundlage für Verladung und Bestandskontrolle. Und genau deshalb ist in vielen Anwendungen nicht der Füllstand, sondern die Masse die entscheidende Größe.
Verschiedene Messmethoden im Überblick
REMBE® Kersting bietet neben der gravimetrischen Messung mit MicroCell auch Radarsensoren zur Füllstandmessung sowie klassische Wägezellen-Lösungen an. Jede Methode hat ihre eigenen Stärken und Einsatzgebiete.
- Radarsensoren messen berührungslos den Abstand zur Materialoberfläche. Sie sind unempfindlich gegenüber Staub und eignen sich gut, wenn der Füllstand kontinuierlich überwacht werden soll. Ihre Genauigkeit hängt jedoch von der Materialoberfläche und der Silo-Geometrie ab.
- Klassische Wägezellen liefern sehr hohe Messgenauigkeit, erfordern aber in der Regel einen mechanischen Eingriff in die Silokonstruktion. Sie sind besonders dort sinnvoll, wo höchste Genauigkeit gefordert ist und ein Umbau möglich ist.
- MicroCell als gravimetrische Lösung nutzt die vorhandene Stützkonstruktion und lässt sich ohne Stillstand nachrüsten. Sie ist besonders attraktiv, wenn eine schnelle, kosteneffiziente Nachrüstung gewünscht ist und die Masse die wichtigere Kenngröße als der reine Pegel ist.
Je nach Silotyp, Prozessanforderung und Genauigkeitsbedarf können diese Verfahren die passende Alternative oder Ergänzung zueinander sein.
Die richtige Lösung für Ihre Anwendung
Welche Messmethode für Ihr Silo am besten passt, hängt von vielen Faktoren ab. Gerne beraten wir Sie individuell – sprechen Sie uns einfach an.